Ein trauriger Tag für den Kartsport

 

Am vergangenen Wochenende fand der vierte Saisonlauf zur Deutschen Kartmeisterschaft 2009 in Liedolsheim statt. Diese Veranstaltung wurde  jedoch gegen Mittag vorzeitig beendet. Ein tödlicher Unfall von Schaltkartpilot Thomas Knopper überschattete die Veranstaltung und versetzte die versammelte Kartsport-Szene in einen Schockzustand.

Hier der Artikel, erschienen in "Motorsport -XL":

„Der Rennsonntag im badischen Liedolsheim war noch jung; einzig die Junioren und die Challenger-Piloten hatten ihre Sprint-Rennen bereits absolviert, als pünktlich um 11.15 Uhr auch die Fahrer der Deutschen Schaltkartmeisterschaft vom Rennleiter auf die Reise geschickt wurden.

Noch in der ersten Rechtsbiegung ereignete sich der folgenschwere Unfall. Der Italiener Paolo de Conto und der Niederländer Thomas Knopper waren im vorderen Feld aneinander geraten und von der Strecke abgekommen. Dabei überschlug sich Knopper mit seinem Kart gleich mehrfach, fiel aus seinem Gefährt und blieb leblos am Rande der Strecke liegen. Das außer Kontrolle geratene Gefährt geriet zu allem Überfluss wieder zurück auf die Bahn und traf hier Dominik Schmidt. Während de Conto und Schmidt ihren havarierten Karts mit leicht bis mittelschweren Verletzungen entsteigen konnten, kam für Knopper trotz aller Bemühungen der Rettungskräfte jede Hilfe zu spät.

Die Redaktion von Motorsport XL spricht der Familie, dem Team und allen Angehörigen von Thomas Knopper ihr aufrichtiges Mitgefühl und ihre tiefste Anteilnahme aus.

Thomas Knopper wurde 19 Jahre alt und lebte in Bilthoven (NL). 2004 gewann er die Junior Rotax Max Euro Challenge. 2006 wurde er Elfter der KZ2-Europameisterschaf. 2007 holte er sich den EM-Titel der Klasse KZ2.

Betroffen und schockiert reagierte die versammelte Kart-Szene auf dieses schreckliche Ereignis. Die Veranstaltung wurde umgehend abgebrochen."

 

Inzwischen wurde bekannt, dass sich Thomas Knopper einen Genickbruch zugezogen hat an dem er noch an der Unfallstelle verstarb.

 

Ich möchte an dieser Stelle den Hinterbliebenen mein tiefes Beileid aussprechen.

 

An Diskussionen über die Sicherheit im Kartsport möchte ich mich an dieser Stelle nicht beteiligen. Nur soviel (Das hat jetzt nicht direkt mit diesem schrecklichen Unfall zu tun): Die Karts sind in den letzten Jahren in punkto passive Sicherheit erheblich verbessert worden. Verbesserungswürdig sind einige Strecken in Bezug auf Auslaufzonen und Fangzäune.

Ein wichtiger Punkt sind jedoch auch die Fahrer. In dem Bewusstsein, dass die Karts relativ sicher sind, wird immer mehr geschubst und gerempelt, manchmal sogar gnadenlos draufgehalten. Nach dem Motto: Mir passiert ja nichts werden die Gegner von der Bahn geschoben. Mir und nicht nur mir, ist aufgefallen, dass die Rennen im ADAC und DMV, wo auch wir fahren, in diesem Jahr überhart ausgetragen werden. Ich habe es in diesem Blog bereits mehrfach in meinen Rennberichten erwähnt. Hier sind Rennleiter, aber auch die Streckenposten gefordert. Nur durch drastische Strafen kann die Disziplin der Faher gewahrt werden. Wenn nichts passiert, wird weiter so gefahren, oder noch härter.

Ein kleines Beispiel mit welchen einfachen aber wirksamen Mitteln man Disziplin herstellen kann: Unser Fahrer Ronny hat im vergangenen Jahr an einem Formel BMW-Lehrgang im spanischen Valencia teilgenommen. Diese Veranstaltung war hochproffessionell organisiert. Die einführenden Worte der Instruktoren an die Fahrer waren sinngemäß: Ihr könnt euch drehen, ihr könnt auch abfliegen. Das ist alles kein Problem und gehört dazu, wenn man sich am Limit bewegen will. Wenn jedoch einer ein anderes Fahrzeug berührt, steigt er sofort aus und fährt nach Hause. Ohne Diskussion.

Es haben sich viele gedreht und sind ins Kiesbett geflogen. Aber es gab während der zwei Tage nicht eine einzige Berührung zwischen den Autos!!!

Eines sollte jedoch jedem bewußt sein: Auch wenn alle Aspekte der passiven Sicherheit immer weiter verbessert werden, auch wenn die Fahrer sich auf der Strecke diszipliniert verhalten, eine einhundertprozentige Sicherheit kann es im Motorsport niemals geben. Das zeigen neben dem jüngsten tragischen Unfall im Kartsport auch der tödliche Unfall von Henry Surtees vor wenigen Wochen in der Formel 2 und nicht zuletzt der Massa-Unfall von Budapest.

Kommentar schreiben